Die Leute, die heute so lauthals gegen Street View wettern, hätten im Mittelalter wahrscheinlich auch Hexen verbrannt. Dass sie aber keinen Sinn für die echten Datenschutzprobleme haben, zeigt, dass eigentlich nur wieder ein Sündenbock gefunden werden musste, um im Sommerloch von den eigenen Problemen abzulenken.
Dazu kommt, dass die Klatschpresse den weniger kritischen Mitbürgern scheinbar einredet, Tausende könnten sie den ganzen Tag lang live und nackt zu Hause überwachen. Wenn man unbedingt etwas glauben will, dann glaubt man es auch…
Deshalb ist meine Devise: Wenn es in der BILD steht, kann es eigentlich nicht stimmen.
Unsere europäischen Nachbarn mögen den Datenschutz weniger ernst nehmen als wir, aber auch dort gibt es mündige, kritische Bürger. Derart ausgerastet wie die Deutschen ist niemand.

Darf ich jetzt auch keine Photos mehr veröffentlichen? Muss ich mit verbundenen Augen durch die Stadt laufen, aus Angst, ich könnte meinen Chef aus einem Erotikshop kommen sehen? Die vegane Nachbarin beim Fleischer treffen?
Eine wirkliche Gefahr besteht in zentralen, verknüpfbaren Datenbanken. Darunter fällt Street View eindeutig nicht; allerdings schon eher viele andere Google-Datenbanken, abgesehen von den vielen staatlichen Varianten à la Schäuble&Co.
Kann es sein, dass überproportional viele Flickr-Nutzer Macs in ihren Taschen herumtragen?
Alle zwei Wochen macht Hendrik Schröder einen exzellenten Punkrock-Nightflight (powered by eure Rundfunkgebühren ;)
Und weil man da eh nicht viel nebenbei machen kann, habe ich mal Laptops gezählt. Die ersten 100 verteilten sich wie folgt:
| Mac | 54 | |
| Asus | 14 | |
| IBM & Lenovo | 11 | |
| Dell | 9 | |
| HP | 4 | |
| Samsung | 3 | |
| Acer | 2 | |
| Packard Bell | 1 | |
| Sony VAIO | 1 | |
| Toshiba | 1 |
Je nach Geschmack kann man mit dieser Statistik nun so ziemlich alles aussagen, was man will. Auch, wenn’s nicht stimmt. Zum Beispiel:
Demnächst Telefone oder eine Schlacht Canon vs. Nikon ;)
Cisco mag zwar der Meinung sein, das Internet für immer verändert zu haben, aber irgendwie hat sich seit gestern Abend nicht viel getan. Hier wäre eine Sache, die das Internet für alle außerhalb des Googleversums wesentlich praktischer machen würde: ein offener Synchronisierungsstandard.
Google fanbois haben ihre Daten überall. Der große Rechner, der mittelmäßige Laptop und der kleine Android bieten Zugriff auf Mails, Feeds, Adressbuch, Kalender, Notizen, Photos und wenn man will sämtliche Dokumente, und das alles synchronisiert, auf allen Geräten. Über das Internet, ohne sich darum kümmern zu müssen. Der Schlüssel ist die Google-ID. Apple geht mit MobileMe einen ähnlichen Weg.
Doch welche Alternativen haben Leute, die ihre Daten weder in den unersättlichen Rachen der größten Datenkrake der Welt werfen wollen, noch Apple sympathisch genug finden, weil sich Cupertino in Bezug auf offene Standards ebenfalls gern quer stellt?
Irgendwie… keine.
Mozilla arbeitet an Weave, das z.B. die Bookmarks und History von Firefox-Browsern synchronisieren können wird. Klingt schon sympathischer, zumal Mozilla eine Stiftung ist, die nicht von den gespeicherten Daten profitieren will und sich zudem für offene Standards einsetzt, d.h. deren Lösung funktioniert dann unter Windows, Mac, Linux und allen anderen Betriebssystemen gleichermaßen und Entwickler können auf dieses Protokoll aufsetzen, d.h. Software und Plugins schreiben.
Das Allertollste wäre aber so etwas wie IMAP for the rest of our data. Webspace kostet nicht mehr viel, und wenn man das Sync-Protokoll geschickt gestaltet, würde schon ein (S)FTP-Login reichen, über den man alle Daten synchronisieren könnte. Ein richtiger Sync-Server wäre natürlich schneller und effizienter. Der Vorteil hier wäre, dass das ganze vom Provider unabhängig wird. Jeder kann seine Daten hintragen, wo er sich am wohlsten fühlt. Im Zweifelsfall wäre das sogar der heimische Rechner via DynDNS, der aufwacht, wenn man von draußen an die Daten will.
Man könnte sich so etwas selbst basteln, aber wie bringt man den Lieblings-Feedreader, die Adressbuch-Applikation und das Handy dazu, das zu nutzen? WebDAV gibt es auch schon lange, aber solche Lösungen sind natürlich nicht in die Programme integriert, weil keine Standards existieren. Heutzutage eben höchstens der Google-Sync.
Das wäre mein größter Wunsch für eine Revolutionierung des Netzes, denn für Daten in der Wolke und zu Hause, über die man selbst die Kontrolle hat, konnte sich leider noch nichts durchsetzen.
Die Typen aus Mountain View sind eben einfach zu gut :)
lol, cya! AussageBeliebige Sprache, gemischt mit Englisch und Netzjargon, in beliebiger Grammatik, oder auch nicht. |
+ |
:) Emoticon |
Das Smiley am Ende ist bei mir mittlerweile so stark drin, dass es fast ausnahmslos als Satzendzeichen herhalten muss. Da wird also eine neue Interpunktion eingeführt :)
Das Problem kommt erst auf, wenn man dann in die Verlegenheit kommt, mal normal schriftlich kommunizieren zu müssen, d.h. per Brief. Jedes mal Humor, Späße, Ironie nur mit den Standardmitteln der deutschen Sprache kenntlich zu machen ist nicht einfach. Dann noch in einen Umschlag packen, Briefmarke draufkleben und zum Briefkasten gehen statt Enter drücken.
Das Netz macht uns faul :)
Gestern haben wir in Berlin gegen Vorratsdatenspeicherung, Stoppschilder im Netz und allgemeine Datensammelwut demonstriert.
Schön war, dass alles sehr friedlich von statten ging. Nach Lektüre eines Absatzes à la Was tun bei Verhaftung? im Wiki des AK Vorrat war ich vielleicht etwas paranoid.
Schön war auch, zu sehen, wie vielen Leuten die zunehmende Aushöhlung unserer Grundrechte und die Datenschutzskandale bei deutschen Unternehmen gegen den Strich gehen.
Jetzt braucht niemand traurig sein, dass es »nur« 10 000 bis 25 000 Demonstranten waren. Ist doch klar, dass dieses Thema nicht mehr hergibt als eine Anti-Atomkraft-Demo. Die meisten, die ich getroffen habe, sagten auch, dass sie trotzdem keine Piraten wählen würden, denn es gäbe wichtigere Themen.
Das stimmt schon. Insofern bin ich sogar ein wenig froh, dass ich in Sachsen praktisch dazu gezwungen werde, eine Partei mit mehr Inhalten zu wählen, denn ein bisschen ist eine Piratenstimme schon eine verschenkte Stimme. Besonders nun, da sich die Grünen dem Datenschutz ebenfalls stark annehmen. Das ist natürlich schade um die Bemühungen der Piraten, und vor allem eine Reform des Urheberrechts wird von keiner anderen Partei so sehr angestrebt. Schon deshalb hätte ich sie letztlich doch gewählt, wenn hier nicht diese föderalistische Wahlfarce abgehen würde.
Auf der Abschlusskundgebung rügte Monty die Menge, weil sie doch freiwillig ihre gesamte Privatsphäre bei Twitter, YouTube, Flickr, Facebook und wie sie alle heißen zerhäckselten.
Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Immerhin sind dies freiwillig gemachte Daten, die im Idealfall wieder gelöscht werden können (sieht man von Diensten wie Google Cache oder der Wayback Machine ab).
Ich selbst veröffentliche vieles im Netz unter meinem richtigen Namen, und das ist vielleicht nicht besonders weise. Was den ominösen zukünftigen Arbeitgeber betrifft, so wäre es mir allerdings sowieso sehr lieb, wenn er jemand ist, der seine Mitarbeiter unabhängig von solchen Dingen wie politischen Meinungen auswählt. Sollte sich jemand derart an meiner Netzidentität stören, dass er mich deshalb nicht einstellen will, dann möchte ich ohnehin nicht mit einer solchen Person zusammenarbeiten.
Ich veröffentliche keine Saufbilder. Naja, ich saufe nicht einmal.
Dennoch: schützt eure Privatsphäre; Synonyme und Nicknames sind empfehlenswert!