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GNOME 3: Mehr Klickibunti! 9 apr 2011

Version 3 des Linuxdesktops GNOME ist mittlerweile dampfend aus dem Backofen gekommen und meiner Meinung nach wurde so viel verschlimmbessert, dass er unbenutzbar wurde. Die GNOME-Designer nennen das user-centric und clutter-free. Ich nenne es kontraproduktiv.

Bis Version 2.x kann man von einer Oberfläche sprechen, die sicherlich in ihrer Schönheit nicht mit verbreiteteren Betriebssystemen konkurrieren kann, die aber sehr schnelles und fließendes Arbeiten erlaubt. Das heißt die Anzahl der Klicks für das, was man ständig braucht, ist minimal.

GNOME 3 andererseits verzichtet standardmäßig auf lästige Knöpfe wie Minimieren und Maximieren. Es verzichtet auf die störenden Symbole auf dem Desktop: Dateien in ~/Desktop verschandeln nicht länger das hübsche Hintergrundbild, mit dem sich jemand so viel Mühe gegeben hat. Die offenen Fenster werden nicht mehr irritierenderweise in einer Leiste angezeigt. Programmmenüs und Programmverknüpfungen auf der Arbeitsfläche wurden abgeschafft. Wer will schon zügig Programme starten? Etwa noch per Drag&Drop Dateien auf deren Symbole ziehen?! Wie unanständig!

Das alles geht jetzt mit dreimal so vielen Klicks (und zwei Gesten) über die Aktivitätsanzeige, eine bildschirmfüllende Maßnahme, welche Exposé, das Dock und das zukünftige Mission Control nachahmt, die Macbenutzern bekannt sind.

Die Motivation hinter all diesen Umgestaltungen ist teilweise, dass GNOME nun zu dicken Fingern kompatibel ist. Man kann es auf einem Tablet bedienen. Diesen Schritt finde ich sehr waghalsig, denn einerseits wäre es sicherlich klüger, die Kräfte im Tabletbereich auf andere Systeme wie MeeGo zu bündeln und andererseits verschreckt das neue Konzept in seiner derzeitigen Form zu viele Pros. Hand auf’s Herz: der typische Linuxer ist nicht Average Joe oder der DAU von nebenan.

Aber auch Quereinsteiger, die Systeme wie Windows und Mac OS (die bis heute noch halbwegs klassisch funktionieren) gewohnt sind, müssten sich erst umgewöhnen. Wer eine Maus hat, braucht keine Oberfläche, die für Hände optimiert ist.

Welche Zielgruppe hat GNOME? Den Spagat zwischen Tablet und Desktop hat auch Apple nicht gewagt, sondern sich für zwei verschiedene Systeme entschieden. Aus gutem Grund.

Ich hoffe, dass sich an GNOME noch einiges ändern wird. Insbesondere der Dateiaustausch zwischen Fenstern und dem Desktop muss funktionieren. Ein Schreibtisch, auf den ich keine Dokumente legen kann, ist für mich unbenutzbar. Mich verwundert, dass das so wenige Leute stört. Aber die allgemeine Mentalität in den Foren ist recht enthusiastisch: »Let’s try something new!« Wer Einwände hat, gilt eher als Zukunftsverweigerer.

Okay, let’s try something new: Xfce wird mir immer sympathischer :)

 
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