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Verteidigung des ThinkLights 31 may 2011

Jedes traditionelle ThinkPad hat eine weiße LED oben im Bildschirmrahmen, die man bei Bedarf einschalten kann, um die Tastatur zu sehen. Im Zeitalter der selbstleuchtenden Tasten mehren sich die Kritiker, die das ThinkLight als billige Alternative zu »richtigen« LED-Tastaturen hinstellen. Dabei ist es eines der genialsten Details an ThinkPads: es beleuchtet die Tastatur gleichmäßig, man sieht die eigenen Finger und das Wichtigste: man kann Dokumente lesen, die neben dem Rechner liegen. Das Ding ist saupraktisch.

Sollte Lenovo das ThinkLight irgendwann ausmustern und LED-Tastaturen verwenden, dann wissen wir, dass sich dort niemand mehr einen eigenen Kopf macht. Viel Eleganz würde es auch nicht bringen ;)


GNOME 3: Mehr Klickibunti! 9 apr 2011

Version 3 des Linuxdesktops GNOME ist mittlerweile dampfend aus dem Backofen gekommen und meiner Meinung nach wurde so viel verschlimmbessert, dass er unbenutzbar wurde. Die GNOME-Designer nennen das user-centric und clutter-free. Ich nenne es kontraproduktiv.

Bis Version 2.x kann man von einer Oberfläche sprechen, die sicherlich in ihrer Schönheit nicht mit verbreiteteren Betriebssystemen konkurrieren kann, die aber sehr schnelles und fließendes Arbeiten erlaubt. Das heißt die Anzahl der Klicks für das, was man ständig braucht, ist minimal.

GNOME 3 andererseits verzichtet standardmäßig auf lästige Knöpfe wie Minimieren und Maximieren. Es verzichtet auf die störenden Symbole auf dem Desktop: Dateien in ~/Desktop verschandeln nicht länger das hübsche Hintergrundbild, mit dem sich jemand so viel Mühe gegeben hat. Die offenen Fenster werden nicht mehr irritierenderweise in einer Leiste angezeigt. Programmmenüs und Programmverknüpfungen auf der Arbeitsfläche wurden abgeschafft. Wer will schon zügig Programme starten? Etwa noch per Drag&Drop Dateien auf deren Symbole ziehen?! Wie unanständig!

Das alles geht jetzt mit dreimal so vielen Klicks (und zwei Gesten) über die Aktivitätsanzeige, eine bildschirmfüllende Maßnahme, welche Exposé, das Dock und das zukünftige Mission Control nachahmt, die Macbenutzern bekannt sind.

Die Motivation hinter all diesen Umgestaltungen ist teilweise, dass GNOME nun zu dicken Fingern kompatibel ist. Man kann es auf einem Tablet bedienen. Diesen Schritt finde ich sehr waghalsig, denn einerseits wäre es sicherlich klüger, die Kräfte im Tabletbereich auf andere Systeme wie MeeGo zu bündeln und andererseits verschreckt das neue Konzept in seiner derzeitigen Form zu viele Pros. Hand auf’s Herz: der typische Linuxer ist nicht Average Joe oder der DAU von nebenan.

Aber auch Quereinsteiger, die Systeme wie Windows und Mac OS (die bis heute noch halbwegs klassisch funktionieren) gewohnt sind, müssten sich erst umgewöhnen. Wer eine Maus hat, braucht keine Oberfläche, die für Hände optimiert ist.

Welche Zielgruppe hat GNOME? Den Spagat zwischen Tablet und Desktop hat auch Apple nicht gewagt, sondern sich für zwei verschiedene Systeme entschieden. Aus gutem Grund.

Ich hoffe, dass sich an GNOME noch einiges ändern wird. Insbesondere der Dateiaustausch zwischen Fenstern und dem Desktop muss funktionieren. Ein Schreibtisch, auf den ich keine Dokumente legen kann, ist für mich unbenutzbar. Mich verwundert, dass das so wenige Leute stört. Aber die allgemeine Mentalität in den Foren ist recht enthusiastisch: »Let’s try something new!« Wer Einwände hat, gilt eher als Zukunftsverweigerer.

Okay, let’s try something new: Xfce wird mir immer sympathischer :)


Bye Bye Hendrik Dorgathen 7 nov 2009

Bücher von Dougles Adams

Heyne (Random House) hat die deutschen Anhalter-Romane mit neuen Covern versehen. So an sich sind die ziemlich cool und schlicht. Sie gefallen mir wesentlich besser als die Cover der amerikanischen Ausgabe und die britischen Ausgaben sahen auch immer gewöhnungsbedürftig aus.

So etwas ist aber ohnehin sehr stark in der Kultur verwurzelt: amerikanische Cover sehen in meinen Augen oft ein bisschen plump und lieblos aus, protzen meist mit vielen und großen Buchstaben. Das ist interkulturelles Umschlagsverständnis ;)

Die neuen Briten sind etwas überladener als die Deutschen, aber im Großen und Ganzen gleich. Pan Macmillan gehört ausnahmsweise nicht zu Random House, dennoch scheint es da eine Kooperation zu geben. Mich würde nun interessieren, wie die Bücher innen aussehen.

Das ist aber ein bisschen viel europäische Integration, denn auch hier bin ich der Meinung, dass dem britischen und dem deutschen Markt verschiedene Cover wohltäten. Die Anhalterbilder von Hendrik Dorgathen, die seit 1998 die deutschen Ausgaben schmückten, trafen den Inhalt meiner Meinung nach sehr gut und waren voller Details. Heyne hätte ihm sogar die Typo überlassen können, hier bei Space Dog hat er es jedenfalls cool hinbekommen.

Aber: was zählt, ist letztlich das Werk, und das sollte man, wenn man kann, in der Originalsprache lesen :)