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Nazis vs. Antifa 17 oct 2009

Erst einmal war es doch ganz große Klasse, dass so viele Leute heute nach Reudnitz, Volkmarsdorf und Sellerhausen gekommen sind und gezeigt haben, was sie von Nazis halten. Klar, es hätten mehr sein können, besonders, wenn man bedenkt, gegen welche »Ideologie« da alle angetreten sind, aber hey, die Deutschen sind politisch träge, das ist nun einmal so. Erst recht bei nasskaltem Regenwetter.

Wesentlich trauriger finde ich die Meinung von ganz vielen selbsterklärten »Normalos« und CDU-Wählern, die behaupten, die Antifa, die sei ja viiiiiiel schlimmer als die Nazis, denn die Antifa, die randaliert ja auch, während die Nazis »nur« demonstrieren wollten.

Wenn da mal nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden! Die Antifa vertritt ein Weltbild, dem ich ohne zu zögern zustimmen kann. (Anarchie mal ausgenommen, die – soweit ich weiß – eigentlich nicht zu ihrer Ideologie gehört.) Leider vertritt ein gewaltbereiter Arm dieses Weltbild mit völlig unangebrachten Mitteln.

Die Nazis stehen andererseits für ein Weltbild, dessen Ablehnung praktisch zu der Pflicht eines jeden gehört und das sogar in sich voller Widersprüche ist. Sie hätten natürlich nicht randaliert und ihre Meinung halbwegs friedlich kundgetan, nur hatten sie das Pech, dass das niemand hören wollte.

Deshalb finde ich selbst die Chaos stiftende Antifa tausendmal besser als friedliche Nazis, denn was sind schon ein paar umgekippte Autos im Vergleich zu all dem menschenverachtenden Gedankengut, das im schönen Leipzig breitgetreten werden sollte?


Schaulaufen in Berlin und im Netz 14 sep 2009

Gestern haben wir in Berlin gegen Vorratsdatenspeicherung, Stoppschilder im Netz und allgemeine Datensammelwut demonstriert.

Schön war, dass alles sehr friedlich von statten ging. Nach Lektüre eines Absatzes à la Was tun bei Verhaftung? im Wiki des AK Vorrat war ich vielleicht etwas paranoid.

Schön war auch, zu sehen, wie vielen Leuten die zunehmende Aushöhlung unserer Grundrechte und die Datenschutzskandale bei deutschen Unternehmen gegen den Strich gehen.

Jetzt braucht niemand traurig sein, dass es »nur« 10 000 bis 25 000 Demonstranten waren. Ist doch klar, dass dieses Thema nicht mehr hergibt als eine Anti-Atomkraft-Demo. Die meisten, die ich getroffen habe, sagten auch, dass sie trotzdem keine Piraten wählen würden, denn es gäbe wichtigere Themen.

Das stimmt schon. Insofern bin ich sogar ein wenig froh, dass ich in Sachsen praktisch dazu gezwungen werde, eine Partei mit mehr Inhalten zu wählen, denn ein bisschen ist eine Piratenstimme schon eine verschenkte Stimme. Besonders nun, da sich die Grünen dem Datenschutz ebenfalls stark annehmen. Das ist natürlich schade um die Bemühungen der Piraten, und vor allem eine Reform des Urheberrechts wird von keiner anderen Partei so sehr angestrebt. Schon deshalb hätte ich sie letztlich doch gewählt, wenn hier nicht diese föderalistische Wahlfarce abgehen würde.

Auf der Abschlusskundgebung rügte Monty die Menge, weil sie doch freiwillig ihre gesamte Privatsphäre bei Twitter, YouTube, Flickr, Facebook und wie sie alle heißen zerhäckselten.

Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Immerhin sind dies freiwillig gemachte Daten, die im Idealfall wieder gelöscht werden können (sieht man von Diensten wie Google Cache oder der Wayback Machine ab).

Ich selbst veröffentliche vieles im Netz unter meinem richtigen Namen, und das ist vielleicht nicht besonders weise. Was den ominösen zukünftigen Arbeitgeber betrifft, so wäre es mir allerdings sowieso sehr lieb, wenn er jemand ist, der seine Mitarbeiter unabhängig von solchen Dingen wie politischen Meinungen auswählt. Sollte sich jemand derart an meiner Netzidentität stören, dass er mich deshalb nicht einstellen will, dann möchte ich ohnehin nicht mit einer solchen Person zusammenarbeiten.

Ich veröffentliche keine Saufbilder. Naja, ich saufe nicht einmal.

Dennoch: schützt eure Privatsphäre; Synonyme und Nicknames sind empfehlenswert!